Thylacine – Roads Vol. 3 – Brilliant Album – 2025

Review zu Thylacine – Roads Vol. 3 – Intuitive Records – 31. Oktober 2025
Facts
Thylacine - Roads Vol.3

Artist: Thylacine (William Rezé)
Country of Origin: France
Album: Roads Vol. 3
Genre: Electronica, Ambient, Downtempo
Format: siehe unten
Label: Intuitive Records (Paris)
Release Date: 31. Oktober 2025
11 Tracks • 39m 34s

Hi-Res

Bei qobuz und Apple Music erhältlich
in Hi-Res 24 Bit / 44.1 kHz

UK-Flag 42

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Weltkugel

Aufnahmeort: Namibia (mobiles Airstream-Studio, Baujahr 1972)
Entstehungszeitraum: Drei Monate, 2025

Review

Mit Roads Vol. 3 vollendet der französische Elektro-Produzent und Komponist Thylacine seine legendäre Trilogie musikalischer Reiseberichte. Nach den Anden Argentiniens (Roads Vol. 1, 2019) und den Färöer-Inseln (Roads Vol. 2, 2020) führt ihn der dritte Teil in die atemberaubenden Landschaften Namibias – und damit auf den afrikanischen Kontinent, der die geografische Trilogie komplettiert.
Was William Rezé, wie Thylacine mit bürgerlichem Namen heißt, in seinem zum mobilen Tonstudio umgebauten Airstream-Wohnwagen von 1972 erschaffen hat, ist mehr als nur ein Album. Es ist ein klangliches Dokumentarwerk, das die Weite namibischer Wüsten, die Stimmen indigener Völker und die dunkle koloniale Vergangenheit des Landes in eine zutiefst bewegende elektronische Soundscape übersetzt.

Seit seinem Durchbruch 2015 mit Transsiberian, aufgenommen während einer 9288 Kilometer langen Zugfahrt von Moskau nach Wladiwostok, hat sich Thylacine als einer der innovativsten Künstler der französischen Electronic Music Scene etabliert. Über 320 Konzerte weltweit, ausverkaufte Shows in legendären Pariser Venues wie L’Olympia und La Cigale, sowie Millionen von Streams für Tracks wie Anatolia, Piany Pianino und Poly belegen seinen Erfolg.

Nach Ausflügen in die klassische Musik mit Timeless (2020) und Thylacine and 74 Musicians (2024), wo er mit Orchester Werke von Mozart, Vivaldi und Händel neu interpretierte, kehrt der klassisch ausgebildete Saxophonist mit Roads Vol. 3 zu seinen elektronischen Wurzeln zurück. Doch diesmal mit noch mehr Tiefe, Sensibilität und dem Willen, nicht nur schöne Klänge zu kreieren, sondern auch unbequeme Geschichten zu erzählen.

Die Entstehungsbedingungen des Albums waren alles andere als komfortabel. In der glühenden Hitze Namibias konnte Rezé tagsüber oft nicht arbeiten und musste seine Sessions in die Nacht verlegen. Sein Airstream-Studio bot keine Klimaanlage, vibrierte auf den holprigen Straßen und erforderte ständige Wartung. Doch genau diese Strapazen, diese unmittelbare Konfrontation mit den Elementen, schuf jene kreative Blase, die Thylacine für seine Arbeit braucht.
„Ich brauche Bewegung, um zu kreieren“, erklärt er in Interviews. „Reisen ist für mich kein Urlaub, sondern mein Arbeitsprozess. Gute und schlechte Erlebnisse, intensive Begegnungen – all das fließt in meine Musik ein.“

Thylacine
  1. Discussion with a Giant – 4:52
  2. Dokido (with Ozohere’s Himba) – 3:59
  3. Goodnight – 4:51
  4. Mafwe (with Kwando’s Mafwe) – 2:43
  5. Damara – 2:49
  6. Shark Island – 3:21
  7. Okakarara – 1:29
  8. Nawa (with Ozohere’s Himba) – 3:09
  9. Kolman – 3:28
  10. ǃNamiǂNûs – 2:06
  11. Chronological Soundscapes – 6:47

Die 11 Tracks von Roads Vol. 3 erzählen jeweils eigene Geschichten, fügen sich aber zu einem kohärenten Ganzen zusammen:

Discussion with a Giant eröffnet das Album mit atmosphärischer Dichte und lässt den Hörer in die Weite der namibischen Landschaft eintauchen.

Dokido (with Ozohere’s Himba) ist eine Kollaboration mit der Himba-Gemeinschaft in Ozohere und basiert auf traditionellen Gesängen aus Tanzbattles.

Goodnight integriert nächtliche Hyänen-Rufe, die Rezé zunächst nicht identifizieren konnte – ein perfektes Beispiel für seine organische Herangehensweise an Field Recordings.

Mafwe (with Kwando’s Mafwe) dokumentiert eine Recording-Session mit dem Mafwe-Volk.

Shark Island ist das emotionale und politische Herzstück des Albums. Der Track behandelt die dunkle koloniale Geschichte Namibias: Shark Island war zwischen 1905 und 1907 ein Konzentrationslager, in dem zwischen 1.032 und 3.000 Herero und Nama Menschen während des Genozids durch deutsche Kolonialtruppen starben. Thylacine nahm Ahnengesänge mit einem Amateur-Nama-Chor in einer deutschen Kirche auf. Das begleitende Video von Cécile Chabert ist ein eindringliches Zeugnis über einen der dunkelsten Momente der deutschen Kolonialgeschichte.

Die weiteren Tracks – Damara, Okakarara, Nawa (with Ozohere’s Himba), Kolman, ǃNamiǂNûs und das abschließende Chronological Soundscapes – zeichnen ein klangliches Panorama, das von pluckernden Beats über cineastische Samples bis hin zu traditionellen Instrumenten und Naturgeräuschen reicht.

Formate

Digital: Stream, Download (bei Qobuz mit Möglichkeit für Testabo)
Andere Formate wie CD (Digisleeve mit Booklet) / Colored Vinyl (Gatefold mit Poster & Fotokarten) gibt es bei JPC

The Bottom Line

Roads Vol. 3 ist Thylacines bislang reifestes und ambitioniertestes Werk. Es ist ein Album, das nicht nur unterhält, sondern auch herausfordert. Mit Shark Island wagt sich Rezé an ein Thema, das in Deutschland noch immer viel zu wenig Beachtung findet – den Genozid an den Herero und Nama. Dass er dies mit musikalischer Sensibilität und dokumentarischer Sorgfalt tut, zeugt von künstlerischer Integrität.

Die Verschmelzung von warmen French-Electronica-Patterns mit Field Recordings und traditionellen afrikanischen Musikelementen gelingt grandios. Das Album ist zugleich meditativ und aufwühlend, tänzerisch und nachdenklich, persönlich und politisch. Nach den Exkursionen in Ambient und klassische Musik kehrt Thylacine hier zu seinen elektronischen Wurzeln zurück – aber mit einem deutlich erweiterten Horizont. Roads Vol. 3 ist ein Album, das ihn als einen der außergewöhnlichsten Künstler der heutigen elektronischen Musikszene zeigt.

Technisch bewegt sich Roads Vol. 3 auf höchstem Niveau. Die Hi-Res-Produktion (24 Bit / 44.1 kHz) bietet audiophile Qualität, die jedes Detail der Field Recordings, jeden atmosphärischen Synthesizer-Layer und jede subtile Percussion-Nuance hörbar macht. Thylacines Produktion ist warm, organisch und räumlich. Die zahlreichen Field Recordings – Wüstenwinde, Küstennebel, Alltagsgeräusche aus Dörfern, Tierrufe – sind nicht einfach als Effekte aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Kompositionen. Die Bässe sind tief und sauber, die Höhen ohne jede Schärfe, der Gesamtklang außerordentlich durchhörig.

Besonders bemerkenswert ist, wie Rezé es schafft, traditionelle afrikanische Musikelemente mit seiner elektronischen Signatur zu verschmelzen, ohne dabei in ethnologische Klischees oder kulturelle Aneignung abzugleiten. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften war intensiv und respektvoll – er nahm sich monatelang Zeit, die Menschen und ihre Musik kennenzulernen.

Wer sich auf dieses Album einlässt, unternimmt nicht nur eine klangliche Reise durch Namibia, sondern auch eine Reise zu den ethischen und ästhetischen Möglichkeiten elektronischer Musik im 21. Jahrhundert. Ein Meisterwerk, das lange nachhallt.

Rating
  • Bit-Depth: 24 Bits
  • Sampling-Rate; 44.1 kHz
  • Sound-Quality
  • Music
4.9

Total (max. 5 Stars)

800 2

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Mein Testequipment

Studio 1:

  • Front: 2 x System Audio SA Mantra 50
  • Subwoofer: 1 x System Audio Saxo 10
  • Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res)
  • DAC: Cambridge DAC Magic Plus
  • Streaming / Network Player: Cambridge MXN10
  • Amplifier: Denon AVR-X3600H (Direct 2.1 Konfiguration) 4K, Hi- res, HEOS
  • Headphone: InEar: Shure SE846 with ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel
  • Headphone: OverEar: Audeze EL-8
  • Nvidia Shield Pro (for Plex Server and Kodi in 24/96 max)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Plex on Apple TV: upto 24/96 Hi-res
  • TV: Sony KD55-XG8505 (HDR, Dolby Vision)

Near Field:

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