INAMAR taucht mit „Underground“ noch tiefer in die Nacht ein
INAMAR meldet sich mit „Underground“ auf Votre Music zurück und liefert einen dunkleren, cluborientierten Gegenpol zu ihren bisherigen, eher sonnigen Melodic-Techno- und Progressive-House-Releases. Der Track richtet sich an alle, die spätnachts zwischen Peak-Time-Energie und emotionaler Tiefe schweben wollen – DJs wie Fans.
Tags: #INAMAR, #Underground, #MelodicTechno, #Switzerland, #WaterDomeMusic
Facts

Artist: INAMAR
Country of Origin: Switzerland
Title: Underground
Format: Single, Download, Stream
Label: Votre Music
Genre: Melodic House und Techno
Release Date: 26.06.2026
2 Tracks – 09m 29s

At Qobuz available in Lossless
16 Bits / 44.1 kHz – Stereo

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Review
In den letzten Jahren hat sich INAMAR von einer exzellenten, jedoch viel zu wenig beachteten Produzentin zu einer klar erkennbaren Stimme im europäischen Melodic-Techno- und Progressive-House-Kosmos entwickelt. Ihr Output war von Beginn an überaus beeindruckend. Die in Zürich lebende Produzentin mit spanischen und schweizerischen Wurzeln fand nach einem Schlüsselmoment auf Ibiza endgültig ihren Weg in die elektronische Musik. Zunächst war sie vor allem für ihren wohligen, von „Sommer-und-Sonne“ geprägten Signature-Sound bekannt. Ihre Veröffentlichungen auf Sirup und Deep Woods zeigen jedoch ihre wahre Klasse. Auch ihr Remix von Eli & Fur’s „Better in the Dark“ für Anjunadeep beweist, wie souverän sie melodische Feinsinnigkeit, Club-Energie und ein Gespür für Emotionen miteinander verknüpft.
Mit „Underground” lässt INAMAR ihren bisherigen, von Sommer und Sonne geprägten Signature-Sound ein Stück weit hinter sich und taucht hörbar tiefer in die Nacht ein. Sie entwirft ein deutlich dunkleres Klangbild, das zugleich wohlig umarmend wirkt. Die Leichtigkeit ihrer bisherigen Veröffentlichungen weicht einer dichteren, tieferen Stimmung. Sog, Dunkelheit und eine fast cineastische Atmosphäre geben hier den Ton an. Der Track wirkt wie ein bewusst gesetzter Schritt weg von der Sonne auf der Tanzfläche. Es geht hin zu Clubmomenten, in denen Spannung und innere Ambivalenz wichtiger sind als einfache Wohlfühlromantik. Dieser Schritt erfolgt zwar über ein vergleichsweise kleines, regionales Label. Das ändert jedoch nichts an der Qualität. „Underground” steht künstlerisch klar auf dem Niveau der bisherigen High-Profile-Veröffentlichungen. In manchen Momenten geht der Track sogar darüber hinaus.
Musikalisch folgt „Underground“ einer bewusst auf Peak-Time-Clubdramaturgie ausgelegten Struktur. Ein trockener, druckvoll abgemischter Kickdrum-Teppich bildet die Grundlage, auf der sich eine tiefschürfende Bassline und weit aufgefächerte, leicht cineastische Pads entfalten. Die zentrale Hookline, ein moduliertes, sich wiederholendes Synth-Motiv, zieht die Hörer:innen Schritt für Schritt tiefer in den Track, ohne sich zu schnell zu entladen – genau jene Qualität, die den Track über seine gesamte Laufzeit trägt. Die Breaks nehmen Tempo aus dem Kopf, nicht aus dem Körper: Der Groove zieht sich kurz zurück und überlässt den atmosphärischen Flächen das Feld, bevor Kick und Bass den Raum wieder zurückerobern.
Die Vocals (Samples?) sind eng mit dem Sound verzahnt. Sie greifen den treibenden Groove auf und verstärken seine hypnotische Wirkung, anstatt einen eigenen, losgelösten Erzählstrang zu eröffnen. So bleibt „Underground“ textlich offen, während die Kombination aus Stimme, Bass und Melodie einen klaren, nach unten ziehenden Flow erzeugt.
Der Extended Mix bringt es auf eine sehr erfreuliche Spielzeit von 5 Minuten und 37 Sekunden. In diesem Rahmen entfalten sich INAMARs Stärken als Produzentin voll. Wer es noch nicht wissen sollte, dem sei es hiermit deutlich gesagt: Sie designed Extended Mixes mit außerordentlicher Brillanz und verlängert eine solche XXL-Version nicht einfach, sondern komponiert sie dramaturgisch perfekt.
Im starken Kontrast zu den typischen, nach Schema F produzierten Bum-Bum-Chaka-Bum-Bum Extended Mixes, wie sie heute leider allzu oft auf Labels wie beispieösweise Colorize zu hören sind, baut Underground in der langen Fassung wunderschöne Spannungsbögen auf. In der langen Fassung des Werkes entfalten sich Spannung und Dynamik auf eine erdige und exzellente Weise. Das funktioniert im Club ebenso perfekt wie auf der heimischen Anlage oder unter dem Kopfhörer.
Aus medienjournalistischer Sicht wird es beim Blick auf das Label- und Marketing-Setting spannend – und problematisch. Unsere Kritik richtet sich hierbei ausdrücklich an das administrative und kommunikative Umfeld und nicht an INAMAR als Künstlerin. Votre beschreibt sich selbst als elektronisches Musiklabel und Eventkonzept, das außergewöhnliche Klangwelten an besonderen Orten schaffen will. Das Label spricht von besonderen Locations, Emotionen und Klangwelten.
Unserer Wahrnehmung nach enthält diese Selbstdarstellung austauschbare Formulierungen aus dem Event- und Marketing-Vokabular. In der Realität wirkt dieser Ansatz auf den Betrachter bislang weniger wie ein durchdachtes Premium-Label mit klarer Künstlervision, sondern vielmehr wie eine primär regional verankerte Event- und Gastro-Struktur, deren Schwerpunkte deutlich stärker auf der reinen Veranstaltungsorganisation zu liegen scheinen als auf sorgfältiger Künstlerentwicklung und professioneller Medienarbeit.
Ein Symptom dieser gefühlten Schieflage sind die offiziellen Release-Notes zu „Underground” auf den Label- und Social-Media-Kanälen. Formulierungen wie INAMAR delivers a powerful Melodic Techno journey with Underground. Driven by hypnotic melodies, deep basslines and atmospheric textures” könnten im Prinzip für jeden beliebigen Melodic-Techno-Track stehen. In der redaktionellen Betrachtung wirken sie eher wie generische Floskel-Prosa aus dem Baukasten denn wie eine ernsthafte, inhaltlich hilfreiche Einordnung eines Releases. Für eine Künstlerin wie INAMAR, deren Musik sich durch eine einzigartige Mischung aus melodischer Feinsinnigkeit und clubtauglicher Energie auszeichnet, ist das schlichtweg unzureichend. Der Text erzählt dem interessierten Publikum nichts über ihren Weg, ihre Handschrift oder die Besonderheiten dieses Tracks.
Hinzu kommt, dass eine freundliche, offizielle Presseanfrage nach einem EPK von Underground bislang vom Label unbeantwortet bleibt. Dieses Detail erscheint auf den ersten Blick zwar als Kleinigkeit, verrät nach unserem Verständnis aber viel über die Kommunikationsstrategie und die Prioritäten des Labels. Für Journalist:innen und Kurator:innen, die Releases in einen notwendigen Kontext setzen wollen, ist ein fehlendes Presskit schlicht unpraktisch. Für Künstler:innen bedeutet es, dass ihre Arbeit in der Öffentlichkeit nicht mit jener professionellen Medieninfrastruktur flankiert wird, die heute eigentlich zum Standard gehören sollte.
Und dann ist da noch das Cover zu „Underground”. Votre versucht erkennbar, eine durchgängige Corporate Identity über alle Releases zu ziehen. Farbwelt, Typografie und Aufbau folgen einem wiederkehrenden Muster. Das Problem ist weniger die fehlende Linie als deren gestalterische Wirkung. Die Artworks vermitteln den Eindruck eines rein funktionalen Low-Budget-Grafikdesigns, das nach immer demselben austauschbaren Template gestrickt ist. Sie erscheinen uns in keiner Weise angemessen für eine Künstlerin wie INAMAR, die einen solchen Anspruch und eine solche musikalische Qualität hat. In einem Bereich, in dem die visuelle Identität längst ein unverzichtbarer Teil der Gesamtwahrnehmung ist, wirkt das wie eine vertane Chance. Es unterstreicht in unserer Wahrnehmung das Missverhältnis zwischen dem hohen musikalischen Niveau der Künstlerin und der provinziell wirkenden Außendarstellung des Labels.
Tracklist
01 Underground (Edit) – 03:52
02 Underground (Extended Mix) – 05:37
The Bottom Line
„Underground“ ist musikalisch ein starkes Statement: INAMAR gelingt der Spagat zwischen druckvoll-treibender Peak-Time-Clubenergie, einer tiefen Melodieführung, die immer wieder mit Überraschungen spielt. Der Track funktioniert in Melodic-Techno- und Progressive-House-Sets als tiefgreifendes Tool mit eigener Handschrift, auf guten Anlagen entfaltet er eine impressive Räumlichkeit und emotionale Dichte und führt ihre bisherige künstlerische Linie konsequent weiter.
Klanglich liegen sowohl Original als auch Extended Mix in 16 Bit / 44,1 kHz vor und klingen insgesamt recht passabel, neigen in unserer audiophilen Analyse unter hochwertigen Studio-In-Ears im Hochtonbereich jedoch gelegentlich zum Clippen – solide Club- und Streaming-Qualität, aber im Jahr 2026 eben nicht mehr wirklich State of the Art.
Gleichzeitig zeigt der Release nach unserem Eindruck aber auch sehr deutlich, wie groß der Abstand zwischen INAMARs herausragendem Artist-Niveau und dieser Label-Realität sein kann. Ob sich der Wechsel zu dem regional verankerten Label Votre aus Kirchheim unter Teck für INAMAR letztendlich als echter Vorteil erweisen wird, muss die Zeit erst noch zeigen. Die regionale Verwurzelung und das passende Genreprofil sprechen einerseits für ein solides Fundament; andererseits wirken Kommunikation, Artwork, Release-Notes und das Wertschöpfungsmodell in der redaktionellen Gesamtbetrachtung bislang eher wie die Praxis einer Event-getriebenen Regionalunternehmung denn wie die Arbeit eines sorgfältig geführten, international anschlussfähigen Melodic-Techno-Labels.
Underground verdient jede Aufmerksamkeit, die der Track bekommen kann – INAMAR liefert musikalisch auf hohem Niveau und zeigt deutlich wieviel Potential in ihr steckt. Das Umfeld, in dem dieser Track erscheint, stößt jedoch Fragen an, die man im Jahr 2026 einfach stellen muss: Wie ernst nehmen Labels ihre Artists? Wie transparent und respektvoll gehen sie mit Presse und Öffentlichkeit um? Und wie viel Standard-Marketing aus dem Baukasten ist eigentlich zulässig, bevor der hohe Anspruch von außergewöhnlichen Klangwelten durch den realen, handwerklichen Umgang mit Musik, Künstlern und Presse eingeholt wird?
WaterDomeMusic Studio-Referenz Test-Setup
Für die audiophile und unbestechliche Bewertung dieses Releases wurde das Quellmaterial in den Redaktionsstudios von WaterDomeMusic unter folgenden Referenzbedingungen analysiert:
Studio 1 Stereo-Hauptkette
Melco N1A H60 4TB Hi-Res Digital Music Library -> WiiM Ultra High-Res Preamp -> Denon AVR-X3600H ausschließlich in Direct 2.1 Konfiguration via eARC -> 2 x System Audio SA Mantra 50 Front + 1 x System Audio Saxo 10 Subwoofer. Kopfhörer-Referenz: Audeze EL-8 / Shure SE846 mit ALO Reference 8 Kabel.
Nahfeld- und Analyse-Arbeitsplatz
2 x Yamaha NX-N500 Studio-Nahfeldmonitore, Hi-Res -> Auralic Taurus High-End Reference Amp -> Cambridge Audio DacMagic 100 -> JRiver Media Center 32 audio-optimiertes Notebook, konfiguriert auf native 24-Bit/192 kHz Ausgabe / PLEX Amp.
Rating
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Bit-Depth: 16 Bit / Lossless
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Sampling-Rate: 44.1 kHz
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Sound-Quality
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Music
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Original Mix / Radio Edit
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Extended Mix
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Aura von INAMAR
Total: Max. 5 Stars

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