Overmono – Pure Devotion – Album – 2026

Overmono – Pure Devotion: Zwischen Rave-Druck, rauen Kanten und großen Gefühlen

Mit Pure Devotion legen Overmono ihr zweites Album vor und verdichten ihren eigenen Blick auf britische Clubkultur, Indie Dance und elektronische Gegenwartsmusik. Das ist ein Album für Nächte zwischen konzentriertem Hören, Kopfhörermomenten und dem Wunsch nach einem Dancefloor, der nicht geschniegelt sein muss, um groß zu wirken.
#Overmono #PureDevotion #XLRecordings #IndieDance #Electronica

Facts
Overmono - Pure Devotion - Album - 2026

Artist: Overmono
Country of Origin: UK, Wales, Monmouth
Title: Pure Devotion
Format: Album, Stream, Download, Vinyl, CD, Kassette
Genre: Electronica, Indie Dance, UK Rave
Label: XL Recordings
Release Date: 07. August 2026
11 Tracks – 40m 07s

Hi-res 42

At Qobuz available in Hi-res
24 Bit / 44.1 kHz – Stereo

UK-Flag 42

Translation? Floating button in
the top right corner of every page

Review

Overmono sind zurück, und Pure Devotion zeigt sehr deutlich, warum die Brüder Tom und Ed Russell längst nicht mehr einfach nur als eines der spannendsten Dance-Projekte aus Großbritannien gelten. Ihr zweites Album ist kein geradliniger Nachfolger von Good Lies aus dem Jahr 2023. Es ist eher eine weitere Öffnung ihres Systems: mehr Ecken, mehr Materialität, mehr bewusst zugelassene Fehler – und gleichzeitig ein noch sichereres Gefühl dafür, wann ein Beat nach vorne muss und wann eine Harmonie den ganzen Raum übernimmt.

Ich kenne Overmono seit Good Lies, und einige der Singles aus dieser Phase sind selbstverständlich auch in unserer FLOW Playlist Series gelandet. Schon damals war klar: Diese beiden denken elektronische Musik nicht in sauber voneinander getrennten Genre-Schubladen. Natürlich existieren die Referenzen zu UK Garage, Breakbeat, Rave, Jungle, Techno und Bass Music. Aber Overmono montieren diese Einflüsse nicht als nostalgisches Zitat. Sie nehmen die Energie, die emotionale Direktheit und auch den Schmutz dieser Musik mit in eine sehr eigene Gegenwart.

Passen Overmono damit in unser bekanntes Schema aus Melodic House, Organic House oder Progressive House? Nein, nicht wirklich. Und genau das ist eine der großen Stärken dieses Albums. Pure Devotion folgt nicht der Logik eines makellosen, elegant ansteigenden Clubsets. Die Stücke dürfen kippen, sie dürfen sich verhaken, sie dürfen in ihren Sounds auch einmal unbequem werden. Trotzdem bleibt da immer diese besondere Form von Wärme, die Overmono von vielen rein funktional gedachten Peak-Time-Produktionen unterscheidet.

Wenn The Fcukers für einen gewissen schmutzigen, urbanen und bewusst überzeichneten Underground-Indie-Dance aus New York stehen, dann stehen Overmono für eine britische Spielart, die viel stärker in der Rave- und Soundsystem-Kultur verwurzelt ist. Nicht als Rückblick, sondern als Sprache. Ihre Beats haben Gewicht, ihre Basslinien schieben ernsthaft, aber darüber liegen Akkorde, Stimmen und fragile Melodien, die sich nicht einfach nur anfühlen wie ein Break vor dem nächsten Drop. Sie bleiben im Kopf, weil sie eine kleine emotionale Reibung erzeugen.

Der Opener Lockup startet entsprechend nicht geschniegelt, sondern mit einer rauen, beinahe beschädigten Oberfläche. Das Stück erzeugt sofort Bewegung, ohne den Hörer mit einem zu eindeutigen Signal in Richtung Dancefloor zu schicken. Knight In Shining Prada mit John Joseph Holt zieht die Idee weiter: Stimme und Groove treffen aufeinander, aber es wird nie zu einem klassischen Vocal-Track. Overmono behandeln Gesang als physisches Material, als Teil des Raums und nicht als dekorative Vordergrundmelodie.

Slowmotion, Barum, Mialon und Laxbrook machen deutlich, wie stark die beiden inzwischen darin sind, Spannung aus kleinen Verschiebungen zu bauen. Ein Beat wird nicht einfach größer, weil ein weiteres Element dazukommt. Er wird größer, weil sich Perspektive, Textur und Druck verändern. Man hört, dass Pure Devotion aus einem Prozess entstanden ist, bei dem Maschinen, alte Lautsprecher, defekte oder übersteuerte Effekte und bewusst unperfekte Aufnahmesituationen keine Nebendarsteller waren. Sie sind Teil der musikalischen Aussage.

Besonders stark wird das Album dort, wo die Brüder ihre Härte nicht gegen die Melodie ausspielen, sondern mit ihr verbinden. Even Angels Ghost mit Kindora, Gem Lingo mit Ruthven und Ballad mit Kindora und Rock Floyd öffnen das Album für vokale Momente, ohne seine Eigenart zu verwässern. Das funktioniert, weil Overmono keine klassischen Popstrukturen erzwingen. Ihre Stücke haben Hooklines, aber keine Angst vor Leerräumen, Brüchen und schrägen Kanten.

Overmono
Overmono

Mit Good Lies aus dem Jahr 2023 hatte ich durchaus meine Momente. Overmono hatten schon damals diese unheimlich starken Motive, die tollen Harmonien und Hooks, die sich festbeißen. Aber sie betteten vieles sehr weit und oft auch sehr konsequent in ihren großen Breakbeat-Teppich ein.

Das ist typisch britisch, das ist Indie Dance mit Rave-DNA, und ich mag genau das grundsätzlich sehr. Nur: Man muss sich dafür Zeit nehmen. Diese Musik funktioniert nicht immer sofort als beiläufiger Stream zwischen zwei anderen Sachen.

Pure Devotion kam bei mir dagegen sofort richtig an. Vielleicht, weil die Brüder ihre widerhakigen Harmonien diesmal klarer nach vorne stellen. Die Hooks bleiben nicht einfach hübsche Details, sie greifen zu. Jeder dieser Melodiefetzen, jede verschobene Stimme und jeder Akkord hat kleine Widerhaken. Sie ziehen sich fest, ohne sich anzubiedern. Das macht diese Platte für mich unmittelbarer als ihr Debüt, obwohl sie keineswegs einfacher geworden ist.

Track Listening

01 – Overmono – Lockup – 04:31
02 – Overmono & John Joseph Holt – Knight In Shining Prada – 04:17
03 – Overmono – Slowmotion – 03:02
04 – Overmono & Kindora – Even Angels Ghost – 04:22
05 – Overmono – Barum – 03:23
06 – Overmono – Mialon – 03:03
07 – Overmono – Laxbrook – 04:38
08 – Overmono & Ruthven – Gem Lingo (ovr now) – 03:50
09 – Overmono – Adre – 02:36
10 – Overmono & Kindora & Rock Floyd – Ballad – 03:10
11 – Overmono – After The Rain – 03:15

The Bottom Line

Pure Devotion ist ein sehr starkes zweites Album, weil es Overmono nicht auf ihre bereits erfolgreiche Formel reduziert. Die Brüder aus Monmouth verbinden die Energie britischer Rave-Kultur mit Indie Dance, Breakbeat, Bass Music und einer unüberhörbaren Liebe zu widerhakigen Harmonien. Das Album will nicht gefällig sein, aber es bleibt emotional offen und erstaunlich zugänglich.

Technisch lebt diese Produktion nicht von einem einfachen „Höhen super, Bässe super, Mitten super“-Urteil. Sie funktioniert als Gesamtbild. Der Klang ist sehr gut, gerade weil die Platte experimentell bleibt und ihren Sound nicht glattzieht. Verfremdete Stimmen, angekratzte Texturen, bewusst verschobene Perspektiven und kleine Störungen gehören hier zur musikalischen Erzählung. Vieles wirkt, als würde es sich direkt vor dem Zerfall noch einmal neu zusammensetzen – und genau dadurch entsteht Spannung.

Der Bass ist fest und körperlich, ohne alles andere zuzudecken. Die Breakbeats sind präzise platziert, aber nicht steril, während Stimmen und Samples nicht geschniegelt vor dem Mix stehen, sondern sich mitten durch ihn bewegen. Über die große Anlage baut sich dadurch eine starke Räumlichkeit auf. Mit dem Shure SE846 werden vor allem die vielen kleinen Bearbeitungsspuren, Hallräume und Verschiebungen sichtbar. Die Hi-res-Version bei Qobuz mit 24 Bit / 44.1 kHz bringt diese Details sehr überzeugend rüber, ohne dass man das Album auf technische Einzelwerte reduzieren sollte.

Overmono sind ein musikalischer Gegenentwurf zu derzeit so vielem in meinem Leben und meiner musikalischen Welt – und ein verdammt guter Grund, den Kopf wieder auf etwas sehr Eigenes, Starkes und Lebendiges zu richten.

Wir hören über diese HiFi-Ketten

Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res) –> WiiM Ultra –> Supra RCA koaxial –> Cambridge DAC Magic Plus –> Supra Cinch –> Denon x3600H (Direct 2.1) –> Supra Sword –> Front: 2 x System Audio SA Mantra 50 || Supra Cinch –> Subwoofer: 1 x System Audio Saxo 10

[Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res) –>] PC / Laptop: ACER A5 WIN 11 Notebook, audio-optimized –> DAC: Cambridge DAC Magic 100 –> Preamp / Headphone Amp: Auralic Taurus

Audeze EL-8 / Shure SE846 with ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel
NEU: Shure SE846 mit FiiO LC-3.5D Kabel

Der Shure SE846 läuft bei uns in zwei Varianten: einmal mit dem ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel, das den In-Ear tonal noch feiner öffnet, mehr Auflösung und eine größere Bühne liefert, im Alltag aber durch einen etwas zu lockeren Sitz der MMCX-Buchsen auffällt – auf Dauer nicht ideal. Ergänzend dazu kommt die NEU hinzugekommene Kombination aus SE846 und FiiO LC-3.5D Kabel, die ebenfalls sehr gute Dynamik, einen fantastischen Punch und eine sehr schöne Feinzeichnung bietet, dabei aber durch ihren besseren Sitz und die bombenfest greifenden Stecker mechanisch deutlich vertrauenswürdiger wirkt.

Teilen mit ...

Entdecke mehr von WaterDomeMusic

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.