Nihil Young – Compass – Album – 2026

Mit „Compass“ beschert uns Nihil Young ein zutiefst musikalisches Juwel zwischen Melodie, Erinnerung und Clubenergie

Als Nihil Young uns über Instagram mitteilte, dass ein neues Album in Vorbereitung sei, war sofort klar: Diese Musik müssen wir bei WaterDomeMusic besprechen. Nihil ist seit Jahren immer wieder Gast in unseren FLOW-Playlisten und aus diesem Umfeld eigentlich nicht mehr wegzudenken. Compass ist nun weit mehr als ein gutes Album geworden: ein geschlossenes, zutiefst musikalisches Juwel zwischen Melodie, Erinnerung und Clubenergie.

#NihilYoung #Compass #ZerothreeMusic #MelodicHouse #ProgressiveHouse

Facts
Nihil Young - Compass - Album - 2026

Artist: Nihil Young
Country of Origin: Italy
Title: Compass
Format: Album, Stream, Download, Vinyl
Genre: Melodic-, Progressive House, Melodic Techno
Label: Zerothree Music / Toolroom Records Group
Release Date: 14 August 2026
15 Tracks – 54m

Hi-res 42

At Bandcamp available in Hi-res
24 Bits / 44.1 kHz – Stereo

UK-Flag 42

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Review

Es gibt Alben, die einfach eine Sammlung guter Tracks sind. Und es gibt jene, bei denen man bereits nach den ersten Stücken merkt, dass der Künstler einen größeren Bogen im Kopf hatte. Nihil Young, bürgerlich Mattia Marotta, veröffentlicht mit Compass sein Debütalbum. Nach mehr als 15 Jahren als DJ, Produzent, Songwriter, Labelinhaber und Klanggestalter bringt er hier seine gesamte Erfahrung in einem Album zusammen, das wie ein persönlicher Rückblick und zugleich wie ein neuer Anfang wirkt,

Compass erzählt einen sehr privaten Lebensbogen. Die Begegnung mit seiner Frau, die Geburt seiner ersten Tochter und der Verlust seines Vaters bilden die emotionalen Punkte, aus denen dieses Album entstanden ist. Nihil Young macht daraus kein plakatives Konzeptalbum. Stattdessen liegen diese Erfahrungen in den Melodien, den Stimmen, den Pausen und in einer nachdenklichen Grundhaltung, die sich durch die gesamte Platte zieht. Das Album will bewegen, aber es will auch etwas erzählen.

Dabei ist Compass kein Album, das man mit jedem Menschen teilen oder nebenbei hören möchte. Es ist Musik für den Menschen, der einem am wichtigsten ist, für einen stillen Abend, für Gespräche, für Nähe – und ebenso für all die Tiefen im Leben, die wehtun können. Nihil Young findet dafür eine Sprache, die nicht pathetisch wird. Das Album ist melancholisch, aber nie hoffnungslos; wohltuend, aber nicht beliebig. Es fühlt sich an wie Balsam für die Seele.

Der Einstieg mit Just Be, gemeinsam mit Lasada, setzt die Richtung sofort klar. Die Musik öffnet sich eher über Atmosphäre und Melodie als über einen großen Effekt. You And I hält diesen Gedanken fest, während Still Here mit Jordan Arts kompakter und direkter in die Clubrichtung geht. Love In The Echoes mit Leo Wood bringt eine weichere, fast schwebende Seite hinein. Gerade in solchen Momenten wird deutlich, dass Compass nicht an einem engen Genrebegriff festhält. Melodic House, Progressive House und Melodic Techno sind hier keine getrennten Schubladen, sondern verschiedene Sprachen derselben emotionalen Erzählung.

Beautiful Low mit Adriana Stone, Can’t Forget You mit TYGR TYGR und Where The Memories Live mit Rowland Giles vertiefen den vokalen Charakter des Albums. Nihil Young setzt die Sängerinnen und Sänger nicht als schmückendes Beiwerk ein. Ihre Stimmen tragen die Stücke und geben ihnen jeweils einen eigenen emotionalen Kern. Das funktioniert besonders gut, weil die Produktionen nicht mit jeder Sekunde nach Aufmerksamkeit verlangen. Sie lassen den Vocals Luft, ohne dass der Groove seine Spannung verliert.

Die Gästeliste von Compass ist dabei mehr als nur eine Abfolge bekannter Namen. Nihil Young bewegt sich seit Jahren im erweiterten Umfeld von Purified und verbindet diese Nähe auf dem Album mit Künstlern, die aus derselben melodischen, emotionalen Clubkultur kommen. Jordan Arts ist gleich zweimal vertreten: bei Still Here und gemeinsam mit Ward Andrews bei Begin Again. Auch Heard Right, der ebenfalls zur Purified Family gehört, bringt bei Breathe Between zusammen mit FRDRK eine eigene, nach innen gerichtete Klangfarbe ein.

Eine besonders interessante Verbindung ist Love In The Echoes mit Leo Wood. Ihre Stimme prägte bereits das sensationelle Marsh-Album Lailonie aus dem Jahr 2020 auf Anjunadeep maßgeblich. Mit My Stripes und Over and Over gab sie diesem Album eine besondere Wärme, Tiefe und einen sehr eigenen emotionalen Glanz. Genau diese Qualität bringt sie auch in Love In The Echoes ein: nicht als vordergründigen Pop-Vocal, sondern mit einer schwebenden Intimität, die Nihil Youngs Produktion Gewicht und menschliche Nähe verleiht.

Es fällt deshalb schwer, aus diesem Album einzelne Anspieltipps herauszulösen. Compass ist in sich zu geschlossen und zu sorgfältig entwickelt, um auf zwei oder drei Titel reduziert zu werden. Wer dennoch einen direkten Einstieg sucht, sollte Love In The Echoes im Extended Mix hören und anschließend Beautiful Low mit Adriana Stone folgen lassen. Spätestens dann wird deutlich, worum es hier geht: um Melodien, Stimmen und Spannungsbögen, die unmittelbar unter die Haut gehen. Die Gänsehaut auf den Armen ist in diesem Fall kein billiges Bild, sondern eine sehr reale Reaktion.

Im Mittelteil zeigt Compass, wie sicher Nihil Young auch ohne dominante Vocal-Hooks arbeiten kann. Everyday bringt Tempo und Vorwärtsdrang, Gone Too Soon mit FRDRK besitzt einen ernsteren Zug, und A Feeling konzentriert sich auf das, was der Titel verspricht: einen Zustand zwischen Euphorie, Erinnerung und einer gewissen Unruhe. Begin Again, die Kollaboration mit Ward Andrews und Jordan Arts, fügt sich dabei nicht wie ein Fremdkörper ein, sondern erweitert das Album um eine weitere Facette seines melodischen Kerns.

Breathe Between, gemeinsam mit Heard Right und FRDRK, gehört zu den Stücken, in denen sich die narrative Qualität von Compass besonders gut zeigt. Hier nimmt Nihil Young bewusst Druck heraus, lässt Räume entstehen und beweist, dass ein Album wie dieses nicht permanent auf den nächsten Peak hinarbeiten muss. Panic mit Sihnara zieht die Spannung anschließend wieder an, bevor The Truth mit KARIANA einen weiteren starken vokalen Fixpunkt setzt. I’ll Be Here mit FRDRK beendet das Album nicht mit einem lauten Schlusswort, sondern mit einem offenen, menschlichen Nachhall.

Nihil Young
Nihil Young

Nihil Young hat auf Labels wie Toolroom, Purified, Odd One Out, Armada, Spinnin’, Enhanced und Sony veröffentlicht. Er kennt also die Mechanik großer Einzeltracks, die sofort in Playlists, DJ-Sets und Charts funktionieren müssen. Compass wirkt gerade deshalb so überzeugend, weil es dieses Wissen nicht ausstellt. Die Tracks funktionieren einzeln, doch erst in ihrer Reihenfolge wird deutlich, wie sorgfältig dieses Album gebaut ist. Es ist kein bloßes Paket aus Streaming-Edits, sondern eine dramaturgisch gedachte Reise.

Dass Compass trotz seiner persönlichen Tiefe niemals in Sentimentalität abrutscht, hat auch mit Nihil Youngs außergewöhnlicher Kontrolle über sein Handwerk zu tun. Der italienische Produzent und DJ für elektronische Tanzmusik ist Inhaber des Labels Frequenza sowie Mixer, Mastering Engineer und Sound Designer. Diese technische Souveränität ist auf dem gesamten Album hörbar, drängt sich jedoch nie vor die Songs. Alles wirkt präzise, detailreich und klanglich kontrolliert, ohne an emotionaler Wärme zu verlieren. Compass ist professionell gebaut, aber nicht glattpoliert – und genau dieser bewusste Erhalt von Charakter und Kanten macht den besonderen Reiz dieses Albums aus.

Compass – Extended Mixes (Album)

Neben dem regulären Album gibt es mit Compass – Extended Mixes eine zweite, für DJs und längere Listening Sessions gedachte Fassung. Die 15 Extended Mixes sind exklusiv über Beatport und Traxsource erhältlich. Während die Edits die emotionale Geschichte in konzentrierter Albumform erzählen, geben die längeren Versionen Intros, Grooves, Breaks und Übergängen deutlich mehr Zeit. Die Trackliste der Extended-Version wird auch bei Traxsource als eigenständiges Album geführt.

Das Extended-Album umfasst ebenfalls 15 Tracks, verlängert die Spielzeit jedoch von 54 Minuten auf 1 Stunde und 24 Minuten. Es ist deshalb nicht einfach nur ein Anhang für DJs, sondern eine andere Perspektive auf dieselbe Platte. Wo die Edits auf den Punkt kommen und den Albumfluss verdichten, öffnen die Extended Mixes die Tracks stärker in Richtung Club, Set-Aufbau und längere Übergänge.

Und gerade hier zeigt Nihil Young, wie gut er Dramaturgie beherrscht. Die anheimelnde, harmonische Seele der Edits bleibt vollständig erhalten, wird jedoch über längere Spannungsbögen weiter ausgebaut. Kein Break sitzt an der falschen Stelle, kein Drop nervt durch künstliche Effekte oder unpassende Überzeichnung. Stattdessen dienen Aufbau, Groove und Übergänge immer dem Track selbst. Die Extended Mixes sind nicht bloß verlängerte Varianten, sondern sorgfältig ausgearbeitete Clubversionen eines ohnehin unglaublich starken Albums.

Die Extended Mixes liegen bei Beatport und Traxsource zum Kauf in 16 Bit / 44,1 kHz vor, also in Lossless, nicht in Hi-res. Für unseren Hörvergleich standen uns die Extended Mixes jedoch zusätzlich als direkt von Nihil Young gelieferte 24 Bit / 44,1 kHz Hi-res-Master zur Verfügung. Damit lässt sich nicht nur der musikalische Unterschied, sondern auch die klangliche Anlage dieser Produktionen sehr genau nachvollziehen.

Track Listening – Compass (Edits)

01 – Nihil Young, Lasada – Just Be – 122 BPM – 3:34
02 – Nihil Young – You And I – 122 BPM – 4:48
03 – Nihil Young, Jordan Arts – Still Here – 126 BPM – 2:55
04 – Nihil Young, Leo Wood – Love In The Echoes – 122 BPM – 3:10
05 – Nihil Young, Adriana Stone – Beautiful Low – 126 BPM – 3:35
06 – Nihil Young, TYGR TYGR – Can’t Forget You – 123 BPM – 2:29
07 – Nihil Young, Rowland Giles – Where The Memories Live – 122 BPM – 3:52
08 – Nihil Young – Everyday – 127 BPM – 3:35
09 – Nihil Young, FRDRK – Gone Too Soon – 127 BPM – 3:07
10 – Nihil Young – A Feeling – 126 BPM – 3:25
11 – Nihil Young, Ward Andrews, Jordan Arts – Begin Again – 126 BPM – 3:36
12 – Nihil Young, Heard Right, FRDRK – Breathe Between – 126 BPM – 3:31
13 – Nihil Young, Shinra – Panic – 122 BPM – 4:24
14 – Nihil Young, KARIANA – The Truth – 126 BPM – 4:13
15 – Nihil Young, FRDRK – I’ll Be Here – 125 BPM – 4:00

Track Listening – Compass (Extended Mixes)

01 – Nihil Young, Lasada – Just Be (Extended Mix) – 122 BPM – 5:21
02 – Nihil Young – You And I (Extended Mix) – 122 BPM – 6:31
03 – Nihil Young, Jordan Arts – Still Here (Extended Mix) – 126 BPM – 4:39
04 – Nihil Young, Leo Wood – Love In The Echoes (Extended Mix) – 122 BPM – 6:41
05 – Nihil Young, Adriana Stone – Beautiful Low (Extended Mix) – 126 BPM – 6:40
06 – Nihil Young, TYGR TYGR – Can’t Forget You (Extended Mix) – 123 BPM – 4:27
07 – Nihil Young, Rowland Giles – Where The Memories Live (Extended Mix) – 122 BPM – 5:29
08 – Nihil Young – Everyday (Extended Mix) – 127 BPM – 5:30
09 – Nihil Young, FRDRK – Gone Too Soon (Extended Mix) – 127 BPM – 5:52
10 – Nihil Young – A Feeling (Extended Mix) – 126 BPM – 5:59
11 – Nihil Young, Ward Andrews, Jordan Arts – Begin Again (Extended Mix) – 126 BPM – 6:08
12 – Nihil Young, Heard Right, FRDRK – Breathe Between (Extended Mix) – 126 BPM – 5:59
13 – Nihil Young, Shinra – Panic (Extended Mix) – 122 BPM – 6:57
14 – Nihil Young, KARIANA – The Truth (Extended Mix) – 126 BPM – 6:18
15 – Nihil Young, FRDRK – I’ll Be Here (Extended Mix) – 126 BPM – 4:00

The Bottom Line

Compass ist ein bemerkenswert geschlossenes Debütalbum eines Künstlers, der seine Handschrift längst gefunden hat, sich hier aber erstmals die Zeit nimmt, sie in voller Länge auszuerzählen. Nihil Young verbindet Clubenergie mit persönlichen Erinnerungen, ohne emotionalen Kitsch und ohne den Anspruch, permanent den größten Moment erzeugen zu müssen. Dieses Album ist ein Kleinod und für uns schon jetzt ein ganz heißer Kandidat für die besten Alben des Jahres 2026 – vielleicht sogar für einen Platz sehr weit oben.

Die Edits sind die richtige Albumfassung für das konzentrierte Hören: kompakt, dramaturgisch schlüssig und mit einem klaren Blick auf Songstruktur und Emotion. Die Extended Mixes verlagern den Schwerpunkt dagegen in Richtung DJ-Set und Dancefloor, indem sie den einzelnen Tracks mehr Zeit für Aufbau, Groove und Übergänge geben, ohne dabei die intime und harmonische Grundidee des Albums zu verlieren.

Klanglich sind beide Albumfassungen ausgesprochen überzeugend. Die Höhen sind offen und präsent, aber nie scharf oder ermüdend. Die Vocals stehen klar, sauber und sehr natürlich im Mittenbereich, während der Bass ausreichend weit hinabreicht, ohne das Fundament künstlich aufzudicken. Man hört, dass Nihil Young Mixing, Mastering und Klanggestaltung aus dem Effeff beherrscht. Gleichzeitig hat er nicht jede Kante wegpoliert, um alles allzu sanft, glatt und gefällig zu machen. Einige Ecken bleiben bewusst erhalten – und genau das verleiht Compass seine Authentizität, seinen Charakter und seine menschliche Tiefe.

Die uns vorliegenden Masters der Edits und Extended Mixes lagen in 24 Bit / 44,1 kHz Hi-res vor. Die regulär bei Beatport und Traxsource erhältlichen Extended Mixes liegen in 16 Bit / 44,1 kHz Lossless vor. Die Edits sind bei Bandcamp in 24 Bit / 44,1 kHz Hi-res erhältlich; bei Qobuz stehen sie in 16 Bit / 44,1 kHz Lossless bereit. Wer die Extended-Version kaufen möchte, sollte dabei Traxsource prüfen: Dort ist das Album nach unserem Vergleich 6,44 Euro günstiger als bei Beatport. Das Vinyl Album ist erhältlich über Bandcamp.

Rating

  • Bit-Depth: 24 Bit (Hi-res)
  • Sampling-Rate: 44.1 kHz
  • Sound-Quality
  • Music
  • Quality of Press-Services (Mattia Marotta)
  • Original Mix / Radio Edit
  • Extended Mix
4.9

Total (max- 5 Stars)

Listen & Buy

Traxsource
Wir hören über diese HiFi-Ketten:

im Studio

Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res) –> WiiM Ultra –> Supra RCA koaxial –> Cambridge DAC Magic Plus –> Supra Cinch –> Denon x3600H (Direct 2.1) –> Supra Sword –> Front: 2 x System Audio SA Mantra 50 || Supra Cinch –> Subwoofer: 1 x System Audio Saxo 10

im Nearfield

[Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res) –>] PC / Laptop: ACER A5 WIN 11 Notebook, audio-optimized –> DAC: Cambridge DAC Magic 100 –> Preamp / Headphone Amp: Auralic Taurus

mit Headphones

Audeze EL-8 / Shure SE846 with ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel
NEU: Shure SE846 mit FiiO LC-3.5D Kabel

Der Shure SE846 läuft bei uns in zwei Varianten: einmal mit dem ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel, das den In-Ear tonal noch feiner öffnet, mehr Auflösung und eine größere Bühne liefert, im Alltag aber durch einen etwas lockeren Sitz der MMCX-Buchsen auffällt – auf Dauer nicht ideal. Ergänzend dazu kommt die NEU hinzugekommene Kombination aus SE846 und FiiO LC-3.5D Kabel, die ebenfalls sehr gute Dynamik, einen fantastischen Punch und eine sehr schöne Feinzeichnung bietet, dabei aber durch ihren besseren Sitz und die bombenfest greifenden Stecker mechanisch deutlich vertrauenswürdiger wirkt.

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