Distance in Static: Wenn das Rauschen zu leuchten beginnt
Mit Distance in Static legt Simon Green alias Bonobo sein achtes Studioalbum vor. Erschienen bei Ninja Tune, verbindet das Werk Electronica, organische Instrumente, clubnahe Bewegung und Stimmen aus unterschiedlichen musikalischen Welten zu einem warmen, offenen und erstaunlich persönlichen Gesamtbild.
#Bonobo #DistanceInStatic #NinjaTune #Electronica #HiResAudio
Facts
Artist: Bonobo
Country of Origin: UK
Title: Distance in Static
Format: Album, Stream, Download, Vinyl, CD
Genre: Electronica
Label: Ninja Tune
Release Date: 11. September 2026
14 Tracks – 50m 07s

At Qobuz 24 Bits / 44.1 kHz
14 Tracks for 15,74 €

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Review
Am 11. September 2026 veröffentlichte Bonobo mit Distance in Static über Ninja Tune sein achtes Studioalbum. Simon Green verwebt darauf organische Instrumente, feine elektronische Texturen, Vocals und präzise Bassstrukturen zu einer warmen, offenen Klangwelt, die mühelos die Balance zwischen konzentriertem Listening und treibender Club-Dynamik hält.
Das Album knüpft nicht an eine bloße Bestandsaufnahme an. Nach dem 2022er Erfolg Fragments, ausgedehnten Liveshows, DJ-Sets, dem OUTLIER-Kosmos und Soundtracks bündelt Bonobo hier zwar verschiedene Facetten seines Schaffens, blickt dabei jedoch konsequent nach vorn. Jedes Stück bewahrt jene unverkrampfte Neugier, die seine musikalische Handschrift seit Jahren prägt.
Schon der Titel Distance in Static greift diese Stimmung auf: das Lauschen nach einem fernen Signal, das Suchen nach Kontur in Rauschen, Erinnerung und flüchtigen Frequenzen. Bonobo gießt diesen Ansatz in eine atmosphärische Produktion aus gealterten Streicherklängen, entfernten Stimmen, schwebenden Gitarrenfragmenten und Beatstrukturen, die tiefe Bewegung erzeugen, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen.
Das Album ist damit bewusst kein Werk der großen, plakativen Höhepunkte. Es gibt keinen einzelnen Track, der alles überstrahlt, keinen kalkulierten Gipfel und kein Finale, das uns zwingend in Richtung Auflösung schiebt. Stattdessen öffnet beinahe jedes Stück eine weitere Tür: Eine neue Stimme, ein anderer Rhythmus, ein fremd wirkendes Sample oder eine veränderte Raumtiefe verschieben kontinuierlich die Perspektive. Das Album bleibt dadurch konstant in Bewegung, ohne jemals nervös zu wirken.
Besonders bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Bonobo seine Coop-Partner in diese Welt einbindet. Arooj Aftab, Nicole Miglis, Joy Crookes, Nilüfer Yanya, Aanya Martin, Ichiko Aoba und Kanako Yamamoto sind keine dekorativen Namen für eine lange Kollaborationsliste. Jede Stimme verändert den Charakter eines Abschnitts, ohne den Albumfluss aufzubrechen. Bonobo baut kein starres Zentrum, um das sich andere Artists drehen müssen. Er lässt Räume entstehen, in denen die jeweiligen Eigenheiten hörbar bleiben dürfen.
Die Standard Edition mit 14 Tracks hat eine Laufzeit von 50 Minuten und 7 Sekunden, doch Distance in Static fühlt sich sehr viel größer an als diese knappe Dreiviertelstunde. Das Album wirkt wie eine Reise durch Begegnungen mit Menschen, die uns nah waren, die uns geprägt haben und sich vielleicht von uns entfernt haben, deren Stimmen aber in uns weiterklingen. Manche bleiben klar und unmittelbar, andere tauchen nur schemenhaft aus der Erinnerung auf, wie ein Signal im Rauschen.
Bonobo erzählt keine konkreten Lebensgeschichten. Aber seine Musik lässt Raum für unsere eigene. Sie erinnert daran, dass Zeit nicht nur in Minuten, Jahren oder Erwartungen messbar ist. Manchmal verändert ein einzelner Moment die Perspektive darauf, was vor uns liegt – und darauf, was uns bis dahin wirklich verbindet.
Je länger wir Distance in Static hören, desto stärker wird der Eindruck eines ungewöhnlich persönlichen Albums. Bonobo erzählt dabei nicht direkt aus einer fest umrissenen Ich-Perspektive. Er lässt Stimmen sprechen und gibt ihnen Raum. Gerade dadurch entsteht eine Platte über Nähe und Distanz, über Erinnerung, Schutz, Unsicherheit und die Möglichkeit, wieder miteinander in Verbindung zu treten.
Vielleicht liegt darin auch ihre gesellschaftliche Kraft. Unterschiedliche Sprachen, Stimmen, Klanggeschichten und musikalische Herkunftsräume bleiben hörbar eigenständig und finden doch zueinander. In einer Gegenwart, die sich oft an Unterschieden abarbeitet, erinnert Bonobo daran, dass wir nicht alles übersetzen oder vollständig verstehen müssen, um einander zu spüren. Unter dem Rauschen bleibt Verbindung möglich.
Bonobo fördert Bewegung, ohne sie mit erhobenem Zeigefinger einzufordern. Seine Beats bringen den Körper in Gang, seine Stimmen und Klangräume setzen zugleich etwas Mentales in Bewegung. Wir laufen auf Grenzen zu – zwischen Genres, Sprachen, Erinnerungen und Menschen. Und sobald wir sie überschritten haben, lösen sie sich auf. Was bleibt, ist kein Einheitsklang, sondern die Erfahrung, dass Verbindung gerade dort entstehen kann, wo wir zuvor nur Distanz wahrgenommen haben.
Some Tracks
Mit Fire on the Water erreicht das Album eine besonders intime, dunkle Zone. Arooj Aftab singt auf Urdu; viele Hörer werden kein Wort verstehen und doch sofort spüren, dass hier etwas Wesentliches verhandelt wird. Ihre Stimme vermittelt keine einfache Botschaft, sondern einen Zustand aus Sehnsucht, Wärme, Distanz und einer stillen Unruhe. Das Bild eines Feuers auf dem Wasser wird nicht illustriert, sondern in Klang übersetzt. Die Stimme, Gitarrenfragmente, Streicher und elektronische Texturen bilden einen Raum, der zugleich verletzlich und weit wirkt.
Talk to Me mit Nicole Miglis führt diese emotionale Linie anders weiter. Der Groove is leicht, fast federnd, doch die Lyrics kreisen um Wegsehen, Zweifel und die Einsamkeit, die entsteht, wenn Dinge unausgesprochen bleiben.
„It’s harder saying nothing“ bringt den Kern des Songs mit großer Klarheit auf den Punkt. Nähe entsteht nicht dadurch, dass alles sofort gelöst wird. Sie beginnt damit, das Schweigen nicht länger zwischen zwei Menschen stehen zu lassen.
Nicole Miglis singt diese Bitte nicht anklagend, sondern offen und mit einer außergewöhnlichen räumlichen Präsenz.
Ihre Stimme löst sich auf unserer Kette fast körperlich von den Lautsprechern, schwebt im Raum und bleibt doch eng mit dem warmen Beat verbunden. Bonobo macht daraus keinen dramatischen Song über Konflikt. Er baut eine vorsichtige Brücke: ein beschwingtes Stück über das Gewicht unausgesprochener Dinge.
Auch Always on Your Side mit Joy Crookes trägt diese besondere Mischung aus musikalischer Wärme und existenzieller Tiefe in sich. Hinter der Soulfärbung, dem festen Bassfundament und der unmittelbaren Stimme liegt keine einfache Liebeserklärung. Zeilen wie „Even shadows need a friend“ oder „How do you keep the world from happening?“ sprechen von Überforderung, Rückzug und dem Bedürfnis nach einem geschützten Raum. Nicht alles lässt sich anhalten. Aber manchmal reicht die Zusage, nicht allein durch eine schwierige Zeit gehen zu müssen.
Nilüfer Yanya öffnet mit Youth’s Fountain einen weiteren, unverwechselbaren Raum. Ihre Stimme besitzt diese Mischung aus Klarheit, Reibung und leicht rauer Verletzlichkeit, die sich nie gefällig in ein Arrangement legt. Gitarren, Live-Charakter, elektronische Tiefe und organische Bewegung formen einen kleinen musikalischen Jungbrunnen: nicht als nostalgische Rückkehr zu Jugendlichkeit, sondern als frische Öffnung innerhalb eines Albums, das ohnehin ständig neue Perspektiven findet.
Im weiteren Verlauf flirtet Bonobo immer wieder mit dem Dancefloor. Drift, ID700 und Me and You besitzen genug Druck, Bass und rhythmische Sogkraft, um in einem Clubraum zu funktionieren. Dennoch bleiben sie unverkennbar Teil dieses Albums. Der Beat gibt Orientierung, aber er beansprucht nicht die ganze Aufmerksamkeit. Vokale Fragmente bleiben schemenhaft, Hallräume öffnen sich hinter den Drums, und melodische Spuren führen vom erwartbaren Tanzflächenmoment weg in eine andere Richtung.
Drift zieht uns mit bemerkenswerter Kraft auf den Dancefloor. Wir schließen die Augen, lassen uns von Bass und Beat tragen und stellen beim Wiederöffnen verblüfft fest, dass wir längst woanders gelandet sind. ID700 arbeitet noch reduzierter und dunkler: ein tiefer Groove, ein schwer arbeitender Bass und kaum zuzuordnende Vocals im Hintergrund. Me and You nutzt den Puls von House, aber seine Seele wohnt eindeutig woanders. Das sind keine funktionalen Peak-Time-Tracks, sondern körperliche Electronica mit offenem Horizont.
Shokoufeh führt das Album erneut in eine andere Farbe. Historisches iranisches Popmaterial, Stimme, Melodie und Percussion treffen auf Bonobos präzise elektronische Gestaltung. Das Stück ist extrem tanzbar und mitreißend, aber kein Dancefloor-Knaller im üblichen Sinn. Es baut keine vorhersehbare Spannungskurve für den großen Drop. Der Rhythmus bewegt sich nach vorn, während das Material seine eigene Geschichte und Fremdheit behält. Gerade diese Reibung lässt den Track so lebendig wirken.
Can’t You See mit Aanya Martin gehört zu den stilleren, aber besonders eindringlichen Momenten. Ihre Vocals sind glockenklar und treten doch nicht sofort in den Vordergrund. Sie scheinen zunächst aus einiger Entfernung zu kommen, durchzogen von Texturen und Raum, und rücken dann langsam immer näher. Die Musik macht damit hörbar, worum es im Text geht: Rückzug, Unsicherheit, das Verbergen des eigenen Gesichts und die vorsichtige Rückkehr in Sichtbarkeit.
Tracklist
Standard Edition (Qobuz, 24 Bit / 44.1 kHz, Hi-res)
- Bonobo – Dawn – 1:13
- Bonobo – Cycles – 4:51
- Bonobo feat. Arooj Aftab – Fire on the Water – 3:03
- Bonobo – Drift – 4:30
- Bonobo feat. Nicole Miglis – Talk to Me – 3:42
- Bonobo – Uncasually – 4:21
- Bonobo feat. Joy Crookes – Always on Your Side – 3:28
- Bonobo feat. Nilüfer Yanya – Youth’s Fountain – 3:58
- Bonobo – Shokoufeh – 3:27
- Bonobo feat. Aanya Martin – Can’t You See – 3:45
- Bonobo – ID700 – 3:56
- Bonobo – Me and You – 3:49
- Bonobo feat. Ichiko Aoba – Equinoctial – 2:58
- Bonobo feat. Kanako Yamamoto – Mercury – 2:58
Bonus Edition (Bandcamp, 24 Bit / 44.1 kHz, Hi-res)
01-14: Standard Edition plus
- Bonobo – Fire on the Water (Instrumental) – 3:03
- Bonobo – Talk to Me (Instrumental) – 3:42
- Bonobo – Always on Your Side (Instrumental) – 3:28
- Bonobo – Youth’s Fountain (Instrumental) – 3:58
- Bonobo – Can’t You See (Instrumental) – 3:45
- Bonobo – Equinoctial (Instrumental) – 2:58
Rating
-
Bit-Depth: 24 Bit
-
Sampling-Rate: 44.1 kHz
-
Sound-Quality
-
Music
-
Quality of Press-Services (Ninja Tune)
-
Bonus
Total (max. 5 Stars)

Listen & Buy
The Bottom Line
Distance in Static ist für Water Dome Music schon jetzt ein heißer Anwärter auf unser Album des Jahres 2026. Bonobo verbindet Electronica, Jazzfarben, unterschiedliche Folklore-Ebenen, organische Wärme und Dancefloor-Instinkt mit großer Selbstverständlichkeit. Die 14 Tracks bilden keinen starren Konzeptbogen, aber sie entwickeln ein starkes gemeinsames Gravitationsfeld aus Nähe, Distanz, Erinnerung und Verbindung. Je länger wir zuhören, desto klarer werden die Details, die emotionale Tiefe und die besondere innere Bewegung dieses Albums.
Die Standard Edition und die Bandcamp-Bonusausgabe liegen nativ in 24 Bit / 44,1 kHz als FLAC vor und unterscheiden sich klanglich praktisch nicht. Beide Fassungen spielen auf unserer Kette außergewöhnlich offen, tief und fein aufgelöst. Percussion, Stimmen, Streicher, Gitarren, Bass, Synthesizerflächen und Hallräume bleiben selbst in dichten Passagen klar gezeichnet, ohne jemals steril zu wirken. Die herausragende Klangqualität ist kein Selbstzweck, sondern ein tragender Teil von Bonobos Atmosphäre aus Wärme, Körnung, Ferne und beweglichem Raum.
Die Ninja-Tune-Promo liegt vollständig als natives 24-Bit-/44,1-kHz-Master vor: 14 Tracks und ein exzellenter Klang. Auch die Wiedergabe über Apple Music überzeugt bereits mit einer außergewöhnlich breiten, klar ausdefinierten und bis in kleine Details transparenten Abbildung über den gesamten Frequenzbereich. Bass, Stimmen, Percussion, organische Instrumente, Synthesizerflächen und Hallräume behalten selbst in dichten Passagen ihre Kontur.
Qobuz bietet die reguläre 14-Track-Albumfassung in 24 Bit / 44,1 kHz für 15,74 Euro an. Spotify und Tidal führen ebenfalls 14 Tracks in 24 Bit / 44,1 kHz. Apple Music unter Windows streamt das Album in 24 Bit / 48 kHz und zusätzlich in Dolby Atmos.
Bandcamp bietet für den US-Markt eine außergewöhnlich faire digitale Alternative: 20 Tracks in 24 Bit / 44,1 kHz für 9,28 Euro inklusive Steuern. Neben den 14 Albumtracks sind sechs Instrumentalversionen enthalten: Fire on the Water, Talk to Me, Always on Your Side, Youth’s Fountain, Can’t You See und Equinoctial. Es stehen acht Downloadformate inklusive WAV und FLAC in Hi-Res-Qualität sowie ein PDF-Booklet bereit. Für Hörer, die Bonobos Produktionen dauerhaft archivieren und die Arrangements ohne vokale Ebene entdecken möchten, ist das ein bemerkenswert starkes Angebot.
Hier ist der Link zu Bandcamp für den digitalen Download, die CD und die Vinyls.
Die Vinyl-Versionen gibt es im Store auf der Bonobo-Website. Das gleiche gilt auch für die CDs.
Wer lieber bei JPC kaufen möchte, wird hier fündig,
Test-Setup & Wiedergabekette
Studio (Direct 2.1)
- Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-Res)
- Streamer: WiiM Ultra
- Digital-Verbindung: Supra RCA (koaxial)
- DAC: Topping DX5 II
- Analog-Verbindung: Supra Cinch
- Verstärker: Denon X3600H (Betriebsmodus: Direct 2.1)
- Lautsprecher-Kabel: Supra Sword
- Front-Lautsprecher: 2 x System Audio SA Mantra 50
- Subwoofer-Verbindung: Supra Cinch
- Subwoofer: 1 x System Audio Saxo 10
Nearfield & Headphones
- Quelle: Melco N1A / Notebook: Acer A5 Windows 11 (Audio-optimiert)
- DAC: Cambridge Audio DacMagic Plus
- Vorstufe / Kopfhörerverstärker: Auralic Taurus
- Kopfhörer 1 (Over-Ear): Audeze EL-8
- Kopfhörer 2 (Over-Ear): Beyerdynamic DT 880 S
- In-Ear Monitor 1: Shure SE846 mit ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel
- In-Ear Monitor 2: Shure SE846 mit FiiO LC-3.5D Kabel
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