Thylacine: Transiberian – 2015 – Intuitive Records
Facts
Artist: Thylacine
Country of Origin: Frankreich
Title: Transsiberian
Format: Album, Stream, Download
Genre: Electronica, Ambient, Downtempo
Label: Intuitive Records
Release Date: 27.November 2015
10 Tracks • 39m 55s

Bei qobuz und Apple Music erhältlich
in Hi-Res 24 Bit / 44.1 kHz

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Review
Mit 23 Jahren hat der französische Produzent William Rezé bereits mehrere künstlerische Identitäten entwickelt. Er begann mit 6 Jahren Saxophon zu spielen, durchlief eine klassische Musikausbildung an einer renommierten Hochschule, vertiefte sich später in Jazz und absolvierte schließlich ein Studium der Musikwissenschaften, um sein kompositorisches Handwerk zu perfektionieren. Auf seinem Debüt-Album als Thylacine verschmelzen alle diese Erfahrungen zu einem kohärenten künstlerischen Statement.
„Transsiberian“ ist ein faszinierendes Konzeptalbum, das Electronica mit Weltmusik-Elementen verbindet. Entstanden während einer zweiwöchigen Zugreise von Moskau nach Vladivostok kombiniert es elektronische Klangarchitekturen mit subtiler Pop-Ästhetik und experimentellen Klängen – bereichert durch Feldaufnahmen und Begegnungen mit traditionellen Musikern entlang der Strecke.
Das Album stellt die Liebe zum Reisen und die künstlerische Neugier in den Mittelpunkt seiner durchdachten Komposition. Rezé nutzte die Zugreise als mobiles Kreativstudio: Bei jedem mehrtägigen Aufenthalt an einer Bahnstation nahm er traditionelle Musik und Geschichten von lokalen Künstlern auf, die er anschließend während der Zugfahrten zu neuen Stücken umformte und weiterentwickelte. Diese Arbeitsmethode verleiht dem Album eine einzigartige Qualität: Die elektronischen Produktionen entstanden direkt als Reaktion auf authentische kulturelle Begegnungen.
Ein Glöckner in einer russischen Gemeinde, ein Chor älterer Sängerinnen, ein Polyphonie-Künstler aus Irkutsk, ein traditionelles Musikquartett aus Kasan und sogar Surfer an der Pazifikküste – all diese Menschen und ihre musikalischen Traditionen fanden ihren Weg in die Komposition. Besonders bemerkenswert sind die Aufnahmen mit einem schamanischen Heiler und seinen beiden Töchtern am Ufer des Baikalsees, deren Stimmen dem Album eine spirituelle Tiefendimension verleihen.
Zur Inspiration für dieses Projekt erklärt Rezé: Die enge Kabine als kreativer Raum, die extremen Fahrtzeiten von bis zu 160 Stunden, die Möglichkeit, elektronische Equipment parallel zu nutzen, die immersive Begegnung mit völlig neuer Musik und Kultur sowie die rund 10.000 Kilometer an wechselnden Landschaften – all dies bot die idealen Voraussetzungen für konzentrierte musikalische Arbeit.
Der Opener Introduction setzt ausschließlich auf authentische Feldaufnahmen: Das Zischen und Pfeifen von Zugbremsen, durchgehend präsente Bahnhofsansagen – ein unmittelbarer Einstieg in die Reise. Train greift dieses Motiv auf, nutzt die rhythmische Substanz von Zuggeräuschen als Percussion-Element und transformiert diese allmählich in einen pulsierenden, vorantreibenden Track voller Erwartung und Energie. Die subtile Transformation von Geräusch in Musik wird hier besonders deutlich: Das Klappern von Rädern wird zum Beat.
Auf Chaman prägen die Gesänge der beiden Schamanen-Töchter einen intimen, spirituellen Moment, unterlagert von warmen, expressiven Synths. Die kurze Zwischensequenz Aïkhaï And Mandukhaï (Interlude) baut eine atmosphärisch dichte Brücke zwischen den Stücken. Moskva entfaltet sich als dunkle, aggressive Kraftentladung – voller lokaler Stimmen, rhythmischer Präzision und einer Intensität, die die Metropole selbst zu repräsentieren scheint. Ein Track, der vom ersten Moment an fesselt.
Poly balanciert meisterhaft zwischen Akustischem und Elektronischem, durchzogen von ergreifenden Vocal-Linien. Die eingängige melodische Struktur entwickelt sich zu einem echten Ohrwurm, während subtile elektronische Schleifen den Track vorwärtstreiben. Piany Pianino bricht aus diesem Konzept aus – verspielt, leicht und mit einer Klavierbetonung, die an zeitgenössische Piano-Elektronik erinnert, aber eine völlig eigene Identität bewahrt.
Weitere lokale Stimmen prägen das düstere, durchdringende Irkutsk, bevor der Closer Memories das Album mit einer warmen, hoffnungsvollen Note abschließt – poppig im Ansatz, aber emotional differenziert.
„Transsiberian“ versammelt unbekannte Klanglandschaften, fesselnde elektronische Rhythmen und dokumentarische Feldaufnahmen zu einem vielschichtigen Ganzen. Ähnlich wie bei anderen Künstlern der elektronischen Avantgarde zeigt Rezé hier die Fähigkeit, pulsierendes Sounddesign mit organischen Feldaufnahmen zu verbinden und daraus konzise, emotional resonante Stücke zu formen.
Viele Tracks funktionieren über repetitive Strukturen, die das Zugfahren subtil evozieren – es ist aber die künstlerische Raffinesse in der Umsetzung, die „Transsiberian“ auszeichnet. Synths wirken hier durchgehend emotional und tiefenwarm, während die Feldaufnahmen voller unerwarteter Details sind – ein Zug wird zur Perkussion umfunktioniert, Frauenstimmen verschmelzen mit Kinderlauten aus der Umgebung. Das Album offenbart beim wiederholten Hören immer neue Schichten und versteckte Details.
Tracklist:

- Introduction – 2:00
- Train – 5:56
- Belobezvodnoe – 4:16
- Aïkhaï & Mandukhaï (Interlude) – 0:41
- Moskva – 6:34
- Poly – 4:53
- Piany Pianino – 4:32
- Chaman – 3:03
- Irkutsk – 2:23
- Memories – 5:37
Gesamt: 10 Tracks – 39m 55s
The Bottom Line
„Transsiberian“ übersteigt die Grenzen eines reinen Electronica-Albums – es ist vielmehr ein musikalisches Tagebuch einer 9.288 Kilometer langen emotionalen und kulturellen Reise. Fachkritiker würdigen das Album als ein vollständig in Bann ziehendes Werk, das auf traditionelle Klänge vertraut, die Rezé auf seinem Weg entdeckte. Was diesen Debütauftritt so außergewöhnlich macht, ist die Balance zwischen raffinierter elektronischer Produktion und dokumentarischem Anspruch.
Thylacine bewältigt die Herausforderung, die Vastheit Russlands, die Begegnungen mit traditionellen Musikern und das hypnotische Rhythmen-Element der Zugfahrt in tanzbodentaugliche, zugleich introspektive Soundscapes zu verdichten. Wer atmosphärische Elektronik liebt und sich von konzeptuellen Narrativen faszinieren lässt, wird in „Transsiberian“ ein Album finden, das langfristig wirkt – sowohl über Kopfhörer als auch im Club-Kontext. Das Album demonstriert eindrucksvoll, dass echte künstlerische Kommunikation keine Sprachgrenzen kennt.
Mit 24 Bit / 44.1 kHz erfreut uns hier Thylacine mit warmen, räumlichen Klängen. Weiche, modulierte Synths verschmelzen nahtlos mit detaillierten Feldaufnahmen und natürlichen Stimmaufzeichnungen zu einem immersiven Gesamteindruck.
Rating
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Bit-Depth: 24 Bit (Hi-res)
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Sampling-Rate: 44.1 kHz
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Sound-Quality
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Music
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Quality of Press-Services (Online)
Total (max. 5 Stars)

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