Miss Grit – Under My Umbrella – Album – 2026

Review zu Miss Grit – Under My Umbrella – 2026 – Mute / [PIAS]

Margaret Sohn alias Miss Grit öffnet mit ihrem zweiten Album Türen in ihre innere Welt und richtet den Blick auf Ängste, Herzschmerz und die Komplexität des Selbst. Under My Umbrella channelt die dunkle Atmosphäre klassischen TripHops, versetzt mit ekstatischem Dream-Pop und architektonisch-skulpturalen Klangtexturen zwischen Analog und Digital. Ein Album über Befreiung – von Erwartungen, Soziophobie und dem Verlust im Anderen.

MissGrit #UnderMyUmbrella #Alternative #Electronica #MuteRecords

Facts
Miss Grit - Under My Umbrella

Artist: Miss Grit
Country of Origin: USA, NYC
Title: Under My Umbrella
Format: Album, Stream, Download
Genre: Alternative, Indie, Electronica, Experimental
Label: Mute / [PIAS]
Release Date: 24. April 2026
9 Tracks – 32m 25s

Hi-res 42

At HIGHRESAUDIO, Bandcamp + Qobuz
available in Hi-res 24 Bits / 48 kHz – Stereo

UK-Flag 42

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Review

Margaret Sohn ist eine Grenzgängerin. Als Miss Grit navigiert die in New York lebende koreanisch-amerikanische Musikerin zwischen analogen und digitalen Welten, zwischen Gitarre und Synthesizern, zwischen Transparenz und Verfremdung. Mit Under My Umbrella, ihrem zweiten Album nach dem 2023er Debüt Follow The Cyborg, öffnet sie Türen in ihre innere Welt – und richtet den Blick auf Ängste, Herzschmerz und die Komplexität des Selbst.

Follow The Cyborg war ein Konzeptalbum, auf dem Sohn eine fluide Zukunft jenseits von Geschlechter- und Genre-Binaritäten entwarf, in der eine nicht-menschliche Maschine nach Befreiung strebte. Pitchfork beschrieb es als „Rock-Platte mit menschlichem Herzen und Roboter-Seele“. Doch für Under My Umbrella wollte Sohn diese Perspektive umkehren. „Mit der letzten Platte wollte ich ein Konzeptalbum machen, und es gab eine Persona, um einige meiner Gefühle und Ideen zu verarbeiten“, erklärt sie. „Aber im Nachhinein hat es mich davon abgehalten, transparent zu sein.“

Das neue Album entstand größtenteils in Sohns Wohnung in Queens, nachdem sie von einer langen Solo-Tournee zurückgekehrt war, bei der sie völlig alleine durch Nordamerika gefahren war. Die Musik kam schnell, Bewusstseinsströme mit einem neuen Leitprinzip: Don’t overthink it. „Ich habe versucht, nicht zu viel zu editieren oder einen Moment zu erzwingen“, sagt sie. Viele der Gitarren- und Gesangsaufnahmen sind erste Takes, was eine emotionale Unmittelbarkeit bewahrt. „Es fühlt sich wahrer für mich selbst an, und mehr wie eine Darstellung dessen, was tatsächlich aus mir herauskommt.“

Under My Umbrella channelt die dunkle Atmosphäre klassischen TripHops, versetzt mit einer kräftigen Dosis ekstatischen Dream-Pops. Der Opener Tourist Mind meditiert über Selbstauslöschung – darüber, wie überwältigend es sein kann, in den Kopf eines anderen zu reisen und sich dabei selbst zu verlieren. Mind Disaster schwillt und stürzt mit dramatischen Choir-Pads und einem berauschenden elektronischen Puls, während Sohns federleichte Stimme durch digitale Effekte verfremdet wird. „Ich werde wirklich fasziniert von den inneren Welten anderer Menschen“, sagt sie. „Also bin ich oft in ihre Dramen oder ihren Seinszustand hineingezogen. Das saugt viel von mir selbst aus.“

Where Is My Head entfaltet sich als cinematische Klangwelt, in der Sohn den Refrain „you’re all so free“ singt – eine bittere Beobachtung über Freiheit und Gefangensein im eigenen Kopf. You Will Change treibt diese Dunkelheit weiter, mit Harmonien von immenser emotionaler Kraft, die zwischen Drohung, Versprechen und unausweichlicher Transformation changieren.

Stranger, mit seinem alles verschlingenden Refrain über den Versuch, das Gefühl des Verrats zu überwinden, verbindet einen Breakbeat-Rhythmus und funkelnde Synthesizer mit zärtlich-emphatischem Industrial-Pop, schwebend zwischen ätherisch und intensiv. Co-produziert mit ihrem langjährigen Mischtechniker Aron Kobayashi Ritch von Momma, markiert der Track auch Sohns neue Offenheit für Kollaboration. „Normalerweise ist Zusammenarbeit etwas schwierig für mich – es muss eine tiefere Verbindung da sein“, sagt sie. „Aber den Menschen, mit denen ich arbeitete, wirklich zu vertrauen, dass sie ihren Fingerabdruck auf die Musik setzen, und dass sie auch enge Freunde sind, war befreiend.“

Weitere Gäste auf dem Album sind Freunde aus New York City und Los Angeles: der elektronische Visionär und Filmkomponist Sae Heum Han, Bassistin Margaux Bouchegnies, Sängerin Eva Liu, Produzent Luciano Rossi, Schlagzeuger Preston Fulks und Violinist Zachary Mezzo. Diese Zusammenarbeit hat dem Album neue Tiefe gegeben, ohne Sohns architektonisch-skulpturale Klangtexturen zu verwässern.

Miss Grit
Miss Grit

Der Closer Waste Me endet das Album in sehnsuchtsvoller, leicht spasmatischer Offenheit. „Everyone feels wasted / And they’re longing to exist“ – ein Gefühl des Missverstanden-Seins, aber auch der Unfähigkeit, sich vollständig auszudrücken. Thematisch handeln viele der Songs davon, sich zu befreien – von Erwartungen, davon, sich in anderen Menschen zu verlieren, und von jener Art von Soziophobie, die entsteht, wenn man von anderen überfordert wird.

Ironischerweise experimentierte Sohn, während sie sich vom fiktiven Cyborg-Universum entfernte, vokal stärker mit digitalen Effekten und vermied bewusst nicht AutoTune. Diese Verfremdungen sind kein Gimmick, sondern künstlerisches Mittel – ein Ausdruck von Identitätsfragen, die ihre frühere Arbeit prägten, nun aber zu existenzielleren Fragen über Authentizität und Kontrolle in digitalen Räumen transformiert sind.

„Verletzlichkeit war eine große Sache für mich, lyrisch, und der Versuch, etwas klarer zu sein“, sagt Sohn. „Vorher war ich wirklich schüchtern über das, was ich sagte und nicht sagte, und das endete alles damit, dass es in etwas geformt wurde, das sich nicht mehr so nachvollziehbar für mich anfühlte, wie es einmal war. Ein Teil davon ist, meine Gefühle zu ehren und zu versuchen, ehrlicher in meinem Schreiben zu sein. Ich fühle eine tiefe Verbindung zu dieser Platte, die ich bis jetzt noch nie zu meiner Musik gefühlt habe.“

Under My Umbrella zeigt Sohns Talent für komplexe Produktionen und die Kühnheit, die eigene Stimme zu finden. Es ist ein Album, das ebenso introspektiv wie extraspektiv angelegt ist – eine Pandora-Box der jüngsten Zeit, aber auch ein Heilungsprozess. „Eine Art Zeitkapsel dieses Teils meines Lebens zu haben, fühlt sich für mich wie eine heilende Sache an, in der ich sanft mit dieser Version von mir selbst sein kann und vergebend.“

Tracklist
  1. Tourist Mind (4:43)
  2. Mind Disaster (3:24)
  3. Won’t Count on You (4:39)
  4. It Feels Like (3:21)
  5. Where Is My Head? (3:40)
  6. Stranger (3:20)
  7. You Will Change (3:50)
  8. Overflow (3:25)
  9. Waste Me (3:12)
The Bottom Line

Künstlerisch ist Under My Umbrella ein mutiger Schritt in Richtung Transparenz und emotionaler Ehrlichkeit. Margaret Sohn verlässt das schützende Cyborg-Konzept ihres Debüts und öffnet sich – verletzlich, komplex, manchmal überwältigend. Zunächst ein sehr schwieriges Album, wie eigentlich immer bei Miss Grit, aber sie baut immer den einen oder anderen Anker ein, mit dem sie dich aus dem Wasser zieht, so wie hier mit Waste Me oder You Will Change.

Wenn du dich auf Miss Grit einlässt, gewinnst du mit ihr eine musikalische Freundin fürs Leben. Die Kollaborationen mit Freunden aus NYC und LA haben dem Album neue Facetten gegeben, ohne Sohns architektonisch-skulpturale Klangtexturen zu verwässern. Where Is My Head ist jetzt schon ein Klassiker – Songwriter-Güte auf höchstem Niveau, düster, einschmeichelnd, mit Gänsehauteffekten.

Technisch liegt das Album in 24 Bit / 48 kHz vor, teils mit künstlerischen Verfremdungen, die leicht clippen – aber das ist gewollt, nicht fehlerhaft. Insgesamt ist Under My Umbrella perfekt abgemischt und liefert eine immersive Klangtiefe, wenn man zur richtigen Quelle greift. Hier zeigen sich dramatische Qualitätsunterschiede: Die Hi-Res-Kaufversion von HIGHRESAUDIO (10 Euro) klingt deutlich besser als Streaming-Versionen.

Bei Qobuz und TIDAL (beide 24/48) neigt der Höhenbereich zu Übersteuerung, besonders bei Mind Disaster – Kompressionsartefakte, die Miss Grits maximalistischen etwas Sound beschädigen. Die Hi-Res-Kaufversion dagegen bietet größere Tiefe, eine deutlich besser abgebildete Bühne und kaum Höhen-Überzeichnung. Wer den Sound von Miss Grit in Top-Qualität genießen will, sollte die 10 Euro investieren. Für alle, die trotzdem streamen wollen, ist TIDAL die bessere Wahl – es klingt eine Ecke besser als Qobuz, das zusätzlich mit 15,49 Euro deutlich überteuert ist.

Gehört mit Audeze EL-8 Headphones, Beyerdynamic DT 880 S (umgebaut), Magnat LZR 160, Auralic Taurus (Vor- und Kopfhörer-Verstärker), Cambridge Audio DAC Magic Plus und 2 x Yamaha NX-N500 (Active, Hi-res).

Rating
  • Bit-Depth: 24 Bit
  • Sampling-Rate: 48 kHz
  • Sound-Quality
  • Music
  • Quality of Press-Services (Rewika)
4.9

Total (max. 5 Stars)

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Mein Testequipment

Studio 1:

  • Front: 2 x System Audio SA Mantra 50
  • Subwoofer: 1 x System Audio Saxo 10
  • Music Server: Melco N1A H60 4TB (Hi-res)
  • DAC: Cambridge DAC Magic Plus
  • Streaming / Network Player: Cambridge MXN10
  • Streaming / Network Player: WiiM Ultra
  • Amplifier: Denon AVR-X3600H (Direct 2.1 Konfiguration) 4K, Hi- res, HEOS
  • Headphone: InEar: Shure SE846 with ALO MMCX Audio Reference 8 Kabel
  • Headphone: OverEar: Audeze EL-8
  • Nvidia Shield Pro (for Plex Server and Kodi in 24/96 max)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Plex on Apple TV: upto 24/96 Hi-res
  • TV: Sony KD55-XG8505 (HDR, Dolby Vision)

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